Eine Annotation von Licita Geppert


Brown, Rita Mae & Sneaky Pie Brown:

Herz Dame sticht

Ein Fall für Mrs. Murphy. Roman.
Illustrationen von Wendy Wray.

Rowohlt Verlag, Reinbek 1998, 314 S.

 

Die Zunft der schreibenden Katzen wächst, aber Sneaky Pie bleibt eine der besten. Vor einigen Jahren, es war ebenfalls Mai, schrieb ich meine erste Rezension über die berühmte Katzenschriftstellerin Sneaky Pie Brown und ihr Buch Ruhe in Fetzen. Damals wünschte ich mir weitere Fälle von Mrs. Murphy, und dieser Wunsch wurde mir in der Zwischenzeit mehrfach erfüllt. Heute habe ich Gelegenheit zu einer erneuten Besprechung. Der Krimi ist natürlich wieder mausezahnspitzenmäßig und spannend bis in die äußerste Schwanzspitze! Mit der Zeit ist Sneaky Pie eine reifere Schriftstellerin geworden. Sie sieht die Menschen ganz offensichtlich mit etwas mehr Nachsicht und zeichnet ihre Charaktere nicht mehr so erbarmungslos schrullig, wie die Menschen eigentlich sind, dafür um so liebenswerter, jedenfalls die in Mrs. Murphys allernächster Umgebung. Der Sinn für dramatisch inszenierte Morde ist Sneaky Pie aber zum Glück erhalten geblieben: Wieder einmal geschieht ein Mord nach dem anderen in dem nur scheinbar so verschlafenen Städtchen, in dem Mrs. Murphy, die Katzendetektivin, mit Tee Tucker, ihrer Corgi-Freundin, und Pewter, der dicken Nachbarkatze, ihre Fälle löst. Diesmal spielt die Handlung im vornehmen Rennbahnmilieu. Appetitlich arrangiert wie Partyhäppchen mit Spieß und Cocktail-Kirsche reihen sich die Toten aneinander, und bei allen findet sich eine Spielkarte als schnurrige Hinterlassenschaft des Mörders, mit einem Liebhaber-Stilett den Opfern mitten aufs Herz genagelt. Die Menschen haben wenig Verständnis für derlei dekorative Details. Alle tappen sie wie immer noch im dunkeln, da haben Mrs. Murphy und ihre Freunde schon bei Pferden, Mäusen, Vögeln und Hunden ihre Erkundigungen eingeholt und klären nebenbei noch einen uralten Mord auf (Katzen denken eben systematischer, ihre Ermittlungen sind besser strukturiert und sie können sehr diplomatisch sein!). So sind sie auch ge wappnet, wieder einmal in letzter Sekunde ihr Frauchen (die Übersetzerin hat es immer noch nicht kapiert, daß wir in Deutschland nicht „Mutter“ zu unseren Menschen sagen), also ihr Frauchen den Händen des Mörders zu entreißen.

Miou-Miou (Kater, lebt bei Licita Geppert)


© Edition Luisenstadt, 1998
www.luise-berlin.de

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