Eine Annotation von Thomas Przybilka

Kastner, Jörg:

Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra

Thomas Tilsner, Bad Tölz 1997, 240 S.

Vom Übervater des europäischen Kriminalromans erscheinen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer wieder Neuauflagen und Neuausgaben seiner Romane und Erzählungen. Sherlock Holmes ist weltweit immer noch die beliebteste Figur der Spannungsliteratur. Davon zeugen allein schon die nicht mehr zu zählenden Holmes-Societies und -Clubs (allein in den deutschsprachigen Ländern existieren drei Societies mit internationalen Mitgliedern). Aber nicht nur das Werk Arthur Conan Doyles erfreut sich ungeheurer Beliebtheit, populär sind auch Pastiches und „neuentdeckte“ Romane, die sowohl der Feder des Autors zugeschrieben werden als auch seiner beiden bekanntesten Protagonisten Holmes und/oder Watson.

Und wieder einmal wurde etwas aus dem Privatbereich des berühmtesten Privatermittlers entdeckt und ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Das Geheimnis wird, selbstverständlich, von Dr. John H. Watson, Chronist und Freund des Mannes, gelüftet, der seinen Pfeifentabak bevorzugt in seinen Hauspantoffeln zu deponieren pflegte. Aufgezeichnet hat dieses spannende Stück der deutsche Schriftsteller Jörg Kastner, Holmes-Fans bestimmt kein Unbekannter. Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra ist der „Bericht von Dr. John H. Watson“ betitelt. Eines der, wieder einmal, unglaublichen Holmes-Abenteuer beginnt, wo sollte es anders sein, in Londons Baker Street 221 B. Dort erscheint eines Abends ein todkranker Besucher und warnt vor einer schrecklichen Gefahr für die Menschheit, die mit der Entführung eines französischen Wissenschaftlers in Verbindung zu stehen scheint. Die Spur führt Holmes und Watson in den Dschungel Sumatras, wo der mysteriöse Baron Maupertuis Tierexperimente durchführt - angeblich zum Wohle der Menschen. Etliche Gefahren warten auf die beiden Freunde, bevor sie schließlich in den nebelverhangenen Straßen Londons des Rätsels Lösung finden - mit tatkräftiger Unterstützung eines jungen Schriftstellers namens H. G. Wells.

Wie eingangs erwähnt, ist Jörg Kastner, Jahrgang 1962, der Holmes-Gemeinde kein Unbekannter. Bereits 1994 legte er eine Hommage an Sir Arthur Canon Doyle vor (Dr. Watson und der Fall Sherlock Holmes). Seinen Bericht über Holmes und die Schrecken von Sumatra hat er, nach eigenen Angaben, auf einem Flohmarkt in London gefunden. Eventuelle Irritationen darüber, daß Dr. Watson, wie doch jeder weiß, eine literarische Figur sei, begegnet Kastner mit den Hinweisen sowohl auf die Heerschar ernsthafter Sherlock-Holmes-Forscher wie auch auf sein persönliches Archiv. Erkenntnissen dieser Institutionen nach war Doyle nur Watsons literarischer Agent, der wohl den Aufzeichnungen des guten Doktors nur noch den letzten Schliff gegeben hat. Wie dem auch sei - Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra ist wieder ein spannendes Abenteuer des größten Detektivs aller Zeiten und wird bei keinem Holmes-Fan fehlen dürfen. Ich wünsche vergnügliche Lektüre.


© Edition Luisenstadt, 1998
www.luise-berlin.de

zurück zur vorherigen Seite